Ereignisse

Chronologische Übersicht

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  1. Novemberrevolution, Ende der Monarchie und Entstehung der Weimarer Republik

    Die Meuterei von Matrosen in Kiel Ende Oktober/Anfang November 1918 entwickelte sich zur Revolution. Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen; Kaiser Wilhelm II. verlor den Thron, und der Rat der Volksbeauftragten übernahm zunächst die Regierungsgewalt. Die Weimarer Reichsverfassung schuf eine parlamentarische Republik.

  2. Rechtsterror der Organisation Consul: Morde an Erzberger und Rathenau

    Mitglieder der rechtsterroristischen Organisation Consul ermordeten am 26. August 1921 den früheren Reichsfinanzminister Matthias Erzberger und am 24. Juni 1922 Reichsaußenminister Walther Rathenau. Nach Rathenaus Ermordung verabschiedete der Reichstag das Gesetz zum Schutze der Republik.

  3. „Lex van der Lubbe“: rückwirkende Einführung der Todesstrafe

    Das Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstrafe vom 29. März 1933 erstreckte die Todesstrafe rückwirkend auf Taten seit dem 31. Januar 1933. Das Reichsgericht verurteilte Marinus van der Lubbe im Reichstagsbrandprozess auf dieser Grundlage zum Tode; er wurde im Januar 1934 hingerichtet.

  4. Nürnberger Nachfolgeprozesse gegen Funktionseliten des NS-Regimes

    Zwischen Dezember 1946 und April 1949 verhandelten amerikanische Militärgerichte in Nürnberg zwölf Verfahren gegen 177 Angehörige von Medizin, Justiz, Ministerien, Wirtschaft, SS und Militär. Dazu gehörten der Ärzte-, Juristen-, Flick-, I.G.-Farben- und Einsatzgruppenprozess.

  5. Bildung der Bizone aus US- und britischer Besatzungszone

    Zum 1. Januar 1947 wurden die amerikanische und britische Besatzungszone zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet („Bizone“) zusammengeschlossen. Für wirtschaftliche Angelegenheiten entstand ein gemeinsames Verwaltungsgebiet mit deutschen Verwaltungsorganen. Damit wurden die beiden westlichen Zonen institutionell enger verbunden und ein wichtiger vorstaatlicher Baustein der späteren Bundesrepublik geschaffen.

  6. Währungsreform in den Westzonen und Einführung der Deutschen Mark

    Am 20. Juni 1948 führten die drei Westalliierten in ihren Besatzungszonen die Deutsche Mark ein; am 21. Juni wurde sie alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die Sowjetunion reagierte wenige Tage später mit einer eigenen Währungsreform in ihrer Besatzungszone. Die getrennten Währungsräume verfestigten die wirtschaftliche Teilung Deutschlands.

  7. Grundgesetz und Gründung der Bundesrepublik Deutschland

    Nach den Frankfurter Dokumenten der Westalliierten vom 1. Juli 1948 und den Beratungen der westdeutschen Ministerpräsidenten trat am 1. September 1948 in Bonn der Parlamentarische Rat zusammen. Er erarbeitete bewusst ein als provisorisch verstandenes „Grundgesetz“ statt einer endgültigen gesamtdeutschen Verfassung. Das Grundgesetz wurde am 8. Mai 1949 beschlossen, von den Westalliierten genehmigt und nach Zustimmung der Landtage am 23. Mai 1949 verkündet. Damit entstand die Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen.

  8. Erweiterung der Bizone zur Trizone

    Am 8. April 1949 beschlossen die drei Westmächte in Washington, die Bizone durch die wirtschaftliche Einbeziehung der französischen Besatzungszone zur Trizone zu erweitern. Damit wurden die drei westlichen Besatzungsräume unmittelbar vor der Gründung der Bundesrepublik weiter institutionell zusammengeführt.

  9. SRP-Verbot: erstes Parteiverbot des Bundesverfassungsgerichts

    Das Bundesverfassungsgericht erklärte die Sozialistische Reichspartei am 23. Oktober 1952 für verfassungswidrig, löste sie auf und untersagte Ersatzorganisationen. Die SRP orientierte sich programmatisch und organisatorisch am Nationalsozialismus.

  10. KPD-Verbot durch das Bundesverfassungsgericht

    Am 17. August 1956 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Kommunistische Partei Deutschlands für verfassungswidrig, löste sie auf und verbot Ersatzorganisationen. Maßgeblich war nach dem Urteil nicht eine bloße Ablehnung der Verfassungsordnung, sondern eine aktiv kämpferische Haltung zu ihrer Beseitigung.

  11. Frankfurter Auschwitz-Prozess

    Vom 20. Dezember 1963 bis 20. August 1965 verhandelte das Landgericht Frankfurt am Main gegen Angehörige des Lagerpersonals von Auschwitz. Auf Initiative der hessischen Justiz um Generalstaatsanwalt Fritz Bauer wurden 318 Zeuginnen und Zeugen gehört, darunter 181 Überlebende.

  12. Repressive DDR-Jugendhilfe: Torgau und erzwungene Familientrennungen

    Von 1964 bis 1989 wurden mehr als 4.000 Jugendliche in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau eingewiesen und gefängnisähnlichen Disziplinierungsmaßnahmen unterworfen. Das autoritäre DDR-Jugendhilfesystem ermöglichte darüber hinaus unverhältnismäßige Sorgerechtsentzüge, Heimunterbringungen und Adoptionen mit nur schwachem Rechtsschutz.

  13. Deutscher Herbst und Kontaktsperregesetz

    Die RAF ermordete 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback, den Bankier Jürgen Ponto und den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer; palästinensische Verbündete entführten die Lufthansa-Maschine „Landshut“ und ermordeten den Piloten Jürgen Schumann. Der Bundestag beschloss am 29. September das Kontaktsperregesetz, das in einer akuten Gefahr auch Kontakte inhaftierter Beschuldigter zu ihren Verteidigern unterbrechen konnte.

  14. Rassistische Brandanschläge von Mölln und Solingen

    Bei rassistischen Brandanschlägen wurden in Mölln am 23. November 1992 Bahide Arslan, Ayşe Yilmaz und Yeliz Arslan ermordet und neun Menschen verletzt. In Solingen wurden am 29. Mai 1993 Gürsün İnce, Hatice Genç, Gülüstan Öztürk, Hülya Genç und Saime Genç ermordet; 14 Angehörige wurden verletzt.

  15. Kruzifix-Beschluss: negative Religionsfreiheit in staatlichen Schulen

    Das Bundesverfassungsgericht erklärte die bayerische Pflicht, in jedem Volksschulklassenzimmer ein Kreuz anzubringen, für mit der Glaubensfreiheit unvereinbar und nichtig. Maßgeblich war auch die Freiheit, einer staatlich präsentierten religiösen Symbolik nicht ausgesetzt zu werden.

  16. Rechtsextremistischer Mord an Walter Lübcke und rechtskräftige Verurteilung

    Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke wurde am 1. Juni 2019 vor seinem Wohnhaus in Wolfhagen-Istha erschossen. Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte Stephan E. wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest; der Bundesgerichtshof bestätigte die Verurteilung 2022 rechtskräftig.